Gedichte

 

Staatstragend

Zeitweilig zweiteilig,
ständig mit Kontrast befasst.
Die momentane Interessenlage
bedingt Inanspruchnahme
sämtlicher Reserven.

So, schon wieder Bad Pyrmont.
Früher nicht gekonnt.
Früher gab es keine Nerven.

Autoschlange
beißt von vorne manchmal, meist
von hinten, Zivilisationserscheinung,
Klangeffekte beim Verkehrsunfall.

Wohnkultur, Hygieneinstitut, ja Grünanlagen.
Nörgler
wird es immer geben.
Füttern wir sie ruhig mit.

 

Frühe Blicke

So maß der Metzger Meerkamp, Willi senior,
das Schwein mit Tötungsblick.
Das Quieken reizte ihn zur Wut.
Er traf. Er schnitt das jämmerliche Höchst-
gequieke ab und stand, im Dampf
erhitzt und blutbespritzt. So stand er.

Was war es, das ich nicht mit fünf
schon wusste, spätestens mit sechs?
Die Ur-Oma lag aufgebahrt, der schwarze
Knoten Haar saß hart am Kopf.
Die Mücken tanzten eine wirre Ordnung.
Unlesbar auch die flinke Schrift der Blitze.

Sie weinten nicht, die Unterlippe zuckte, nein,
die Lippen ruckten kurz zusammen.
Sie hatten mich gesehn und sahn mich nicht
und zeigten, wie man Tränen hemmt,
die gar nicht fließen wollen.

 

Spurlos

Ans Ohr eines Himmels wird es nicht dringen
was du verspeist und verdaust und ob dir die Liebe gelächelt
mit zärtlicher Wimper

Dein Kreppsohlenmuster im Schnee ist dem Frühling
nicht mehr geläufig, und was du an Spitzen versprühst,
geistreich und fein, geht in den Stimmen der Keller-
gewölbe nieder als Nebel

Rhythmisch zucken Arenen und Szenen, der Hartstrahl
des Glückes schreibt seinen Endsieg

 

Weislein

Margritli ist da
ist fertig
mit Pilzsammeln

bist ein Schatz, kriegst
ein Wundertaler
dafür kannst du

dir ein feines Körbchen
Pilze kaufen

 

Als ich einmal Kafka war

dann war das wohl in einem Film
– der Fluss war jedenfalls die Ilm –
wo Goethe zu mir sprach: Der Mond
hat sich schon wieder nicht gelohnt.
Sonst fiel mir was von Busch und Glanz
und Nebel ein, ja Nebel, ganz
vernebelt ist es nun. Ich kann’s
nicht anders sagen, Franz.

 

Abschiedstango

Von dir will ich, weil du bald nicht mehr bist,
erinnrungshalber einen Amethyst,
blasslila wie ein Fingernagelbett
und nicht zu klein, du kleiner Pessimist
Dann bleibt etwas von dir. Ach sei so nett.

Von mir muss, nichts von mir muss bleiben.
Und lieber tot als nett.
Uns trennen unsichtbare Fensterscheiben,
von beiden Seiten hell, von beiden violett.

 

Immer im Jenseits

(Ärzte und Theologen müssen sterben.
Psychiater werden verrückt.
Sprachforscher werden stumm.
Polizisten werden kriminell.)

Aber
wenn der Amtsstern des Sheriffs blinkt
im Shoo Fly Saloon, Carson Street
in Escalante,

aber
wenn der Führer dem Pimpf Hans
und dem blonden Mädel Hildegard
den stahlblauen Blickstrahl
in die Seele sticht,

wenn Che Guevara, noch,
auf dem Poster triumphiert
dann brechen die Nachtigallen,
diese entschlafenen,
ihre betörenden Harmonien
immerfort übers Knie.